DAS SIGNAL - HAIN

1991
 

hain202

Drei musikalische Neuformulierungen, Tätowierungen über die Selk'nam  Indianer (Ona's) in Feuerland, Argentinien

iD1. Die Aufforderung - Héhé (7'56")
ID2. Die Begegnung - Yoyoyoyo (3'49")
ID3. - Húp ke kep (3'19")
ID4. Die Verwandlung - Ham-nia (6'30")

Im Auftrag des Goethe-Instituts Buenos Aires

für Lola Kiepa

SELK202 

Stimme: Lola Kjepa
Keyboards: Simon Been
Percussion und weiße Kieselsteine: Michael Jüllich
Blockflöte und elektronische Instrumente: Michael Fahres
Produktion: Michael Fahres
Co-Produktion: Simon Been
Studios: Ata Tak, Düsseldorf; CEM, Arnhem
Tontechnik: Kurt Dahlke und Tibor Fueloep
 

Vielen Dank an Anne Chapman, die mir die Orginalmusikfragmente zur Verfügung  gestellt hat. Dank auch an Smithsonian Folkways in Washington, Hernan Vidal,  der Stadt Ushuaia, dem Völkerkundemuseum, Berlin, Edda Brandes und Bruce  Chatwin.

Text zu Hain:
In einem Zeitraum von etwa einhundert Jahren, zwischen der letzten Hälfte  des neunzehnten Jahrhunderts und 1971, wurden die Ureinwohner Feuerlands, die  Indianer, die sich Selk'nam oder Ona's nannten, von den Weißen ermordet  oder kamen durch eingeschleppte Krankheiten der "neuen" Siedler um's  Leben.1966 zeichnete die amerikanische Anthropologin Anne Chapman Lieder der  letzen Shamanin, Lola Kiepa, auf.
In meiner Schraffur "Hain", die sich u.a. auf den Ritus "Hain"  der Selk'nam bezieht, wurden vier Chants von Lola Kiepa in ihrer Orginalversion  übernommen und musikalisch neuformuliert.Diese vier Lieder hatten bei den  Selk'nam folgende Bedeutung:

Héhé: Das Lied wurde von den Männern gesungen während  der Hóshtan-Szene. Währenddessen wurde mit den Frauen getanzt und  gefeiert. Am Anfang und während des Liedes Héhé hören  wir eine der ersten Tonaufzeichnungen auf Wachsplatten (By the Ona Tininisk  at Harberton, December 28th, 1907), die der Anthropologe Charles W. Furlong  in Feuerland von den Selknam machte. Héhé endet mit dem  auditiv dargestellten Tod (liegende Sinustöne) der Selknam.

Yoyoyoyo: Ein von den Männern gesungenes Lied in dem "Hain",  der Hütte. Der Gott Kulan stieg vom Himmel herab.

Hùp ke kep: Frauen sangen dieses Lied. Koshménk erschien.

Ham-nia: Das Lied der Shamanin. Diese Chants wurden oft in Trance rezitiert.  Der Weg, weg von der Hütte, dem Haus, hin zu dem, was kommen wird, der  Zukunft, dem Himmel. "Ich folge den Weg von denen, die uns verlassen haben".

"Hain" tätowiert

Die Komposition Das Signal-Hain wurde am 5.12.1991 während  des Projektes Ficcion Disco in Buenos Aires uraufgeführt.


kARRYON


(Selknam)
(oir hablar)
(Carry on - Carillon)

Ich habe gehört, was andere über die Selknam Indianer
in Tierra del Fuego erzählt haben

Shoort


1992
1. Satz
Eine musikalische Aufzeichnung

Der Geist Shoort erinnert an die verklungene Kultur der Selknam

ID5. Milonga (226)
ID6. Cauquen del Fuego (927)
ID7. Kaisiya (621)
ID8. Milonga (324)

Im Auftrag des Fonds voor de Scheppende Toonkunst Amsterdam


Stimme: Lola Kjepa
Erzähler: Segundo Arteaga
Stimme und Gitarre: Nieves Cabrera
Flöten: Ramon Ernesto Leiva
Aufnahmen der Vögel: Roberto Straneck
Midi-Assistenz: Arno Peeters
Studios: Cem, Arnhem; NOS, Hilversum


Mit Dank an Anne Chapman, Smithsonian Folkways, Hector Zanola, dem Museo del  Fin del Mundo in Ushuaia, Sofia Ballve, Martine Inklaar, Maarten Coelink und  Abel Ricardo Basti


Text zu Karryon-Shoort:
Die Komposition Karryon, Shoort (die Shoorte sind die  aktiven Geister der Götter, die während des Initialisierungsritus  Hain auftreten) beschreibt das Leben und den bevorstehenden Untergang  der Selknam Indianer in Feuerland (Argentinien).
.
Mit einer Milonga, einem langsamen Gesangsstück, das von dem Gaucho-Payador  (Stehgreifdichter) Nieves Cabrera gespielt wird und die Komposition einfasst,  wird der Hörer in die Geschichte dieser Indianer eingeführt.

MILONGA (Payada)
Text: Nieves Cabrera

 I.
Tierra vieja, del nativo,
tierra del hombre primero,
que al canto de los jilgueros
al dia se acerca "ahorin"
el acento sensitivo
tiene color de bandera.
Sus sierras y sus laderas
tendrían de color de armiño
el legendario cariño que le tenía a su rivera.

II.
El tiempo pasó violento
dejando viejos ensayos
y los hombres de a caballo
llegan pa' pechar el viento,
y alli engarza el sufrimiento
el sentido con las quejas,
el sabor de patria vieja
sacó de su yanta un taco,
se le fueron los guanacos y llegaron las ovejas.

III.
Y avanzaba el estanciero
como pa' comer la tierra,
mirando vegas y sierras
porque habia llegau primero.
El indio no fué aparcero
fue' tal vez como se encierra
un coraje que lo aterra
pero que tienen la escencia
lo expulsaban de su "querencia", de su nativa tierra.

IV.
Y ya sin señas ni apronte
en sus horas de vigilia
ya perdiendo la familia
detrás de algún horizonte,
o ya ganándose el monte
para buscar más confianza,
levantando la semblanza
de aquel blancores de armiño
y conservando el cariño, pa' guardar una esperanza.

V.
La nieve lo vió cruzar
en llegendarios vaivenes
les gritaron los kaikenes
como quién dice, "al pasar",
nadie los supo esperar
por éso es que se ha ido
y tal vez entrentenido
mi canto le llegará.....
¡quién sabe a dónde andará, tras un manto de olvido!

VI.
Y llegaron Salesianos
con las buenas intenciones,
y amontonaron "patrones"
para pedirles una mano,
el sierro, pompas y llanos
hablan d'epocas pasadas,
por éso es que la majada
se fue tendiendo señores
y solo quedó el calor de una raza ya extirpada.

Rio Grande, 20.12.1991

I.
Ancient earth, owned by him who was born there,
earth of the first human,
who by the song of the finches
greets the day.
The penetrating sound
has the colours of his flag.
His mountains and hills,
get the hue of ermine, from the white man.
He loved his spring.

II.
Time fared stormy,
left old poems behind.
The men on their horses appeared,
to battle the wind.
So the suffering threaded.
What rested him other than the bread,
the taste of the old fatherland?
And lamas gave way to sheep.

III.
The landowner approached,
as if to swallow the earth,
he examined the fertile ground.
He arrived first.
The Indian did not become the owner,
maybe because he was held prisoner,
jammed in a rage.
Ousted from his ground, his beloved native ground.

IV.
Without destination, without means,
in the slow hours of staying awake,
he lost his family,
beyond a far horizon.
He climbed mountains
to resist.
More and more he got the countenanance of the white ermine,
even though he cherised his life, so that he could maintain hope.

V.
The snow saw him wandering
on his legendary journeys.
The kaikenes-birds called out to him,
as you greet someone in passing.
No-one was waiting for him,
so he left.
Perhaps, when he is standing still,
this song might come to him.
Who knows where he is going,
in his cloak of oblivion.

VI.
The missionaries came,
with their good intensions,
and united all patron saints,
to request their assistance.
The mountains, the trees, the plains,
speak of long gone times.
Thence it came that the gentlemen,
went to tend sheep.
What rests is only the warmth, the warmth of a wiped out race.

Ein anderer Themabogen wird mit den Zitaten des gebrochen sprechenden Halbindianers  Segundo Arteaga gezogen. Dieser alte Mann kann seine eigene Sprache kaum noch  sprechen und erinnert sich mit den Sätzen wie es ist kalt nur  noch schemenhaft an seine Vergangenheit und seinen Ursprung.

Den Hauptteil von Shoort bildet die Vogelkomposition Cauquen  del Fuego. Die Vögel spielten eine wichtige Rolle im Leben der Indianer.
Die Cauquenes, die Gänse und andere Vögel fliegen aus dem explodierenden  Flammenball, um dem ankommenden Unheil, das über den Selknam schwebt,  zu entkommen. Die Vögel werden am Ende des Stückes von dem chilenischen  Musiker Ramon Ernesto Leiva mit Flöten imitiert.

Der Chant Kaisiya gesungen von der Shamanin Lola Kjepa ist der Mittelpunkt  der Feuergänse. In Kaisiya, dem Lied über  das Bezaubern des Wales, sind kleine opernartig modulierte Versatzstücke  eingebettet, die an die europäischen Kolonialisten erinnern sollen. Der  Walfisch steht hier sinnbildlich für die Selknam, nämlich das  Aussterben bedingt durch die Ausbeutung des Menschen.


 

KARRYON


Short


1992/1994
Auszug aus dem 2. Satz
Eine musikalische Aufzeichnung

Es soll nicht mehr lang dauern, bis alles vergessen ist

ID9. Coda (204)
ID10. Cerca Diosi (617)


Im Auftrag des Fonds voor de Scheppende Toonkunst Amsterdam

für La India Varela und Segundo Arteaga


Stimme: Lola Kjepa
Erzähler: Segundo Arteaga
Produktion: Michael Fahres
Ata Tak Studio, Düsseldorf
Tontechnik: Kurt Dahlke


Mit Dank an Anne Chapman, Smithsonian Folkways, Carlos Baldassarre, Anne Maria  Stadnik, Patricia, Martine Inklaar, Bartolomé Ramos Varga, Jan Landuydt,  Maarten Coelink und natürlich an alle, die mir bei der Realisierung des  Projektes geholfen haben.

Text zu Karryon-Short
Herr Segundo Arteaga (84 Jahre alt), einer der zwei letzten lebenden Creolen  (die Väter waren jeweils Argentinier bzw. Chilene, die Mütter Selknam  Indianer), erzählt am Ende von Short über seinen Versuch,  mit dem Leben von heute fertig zu werden.

Segundo Arteaga:
Aprendi a leer por mis propios medios. Pero algo lei mucho, lei sobre  mi pais y de Chile tambien y algunas cosas europeas tambien, como son los mares,  los nombres de los mares y todo eso, lei mucho, novelas quiero decir. Y quiero  decir que aprendi una cosa, dejaba esa y me iba a otra, y antes que termine  esa me iba a otra, por hacerlo asi, ahora chaporreteo.

(Übersetzung)
Ich habe mir selbst das Lesen beigebracht. Und ich habe viel gelesen über  mein Land und auch über Chile und auch noch über die europäischen  Dinge, wie die Meere da aussehen, wie sie heißen und so, ja ich habe viel  gelesen,auch Romane und so. Und ich lehrte so einiges, aber dann ließ  ich es wieder sein und begann etwas anderes, bevor ich das erste beendet hatte  und deswegen spreche ich jetzt ein bischen kindlich.
.
Die Wasser und Windklänge, das Knacken des Bambusholzes bezeugen die Natur  und damit auch die immerwährende Vergänglichkeit. Mit der kanonischen  Bearbeitung des Chants Cerca Diosi (spanisch: cerca de Dios), hier  noch einmal von Lola Kjepa gesungen, wird auf die Christianisierung der Indianer  verwiesen. Es ist ein Chant, den Lola in der Salesianer Mission lernte, die  Anrufung Nahe zu Gott. Es soll eben nicht mehr lange dauern, bis  die Kultur der Selknam erloschen ist.

Text zu Karryon
In der Komposition Karryon skizziert Short die Gegenwart  in Feuerland, der 1.Teil Shoort beschreibt musikalisch die Vergangenheit,  der 3. Teil Shore die Fiktion, die Zukunft. Die Komposition Karryon  wurde am 25.9.1994 während des Projektes SUNWHEEL in Massada  (Israel) uraufgeführt.

MERCURY SOUND

1992

ID 11. Mercury Sound (418)
ID 12. Escape Shore (031)

Stimme und Gitarre: Ramon Ernesto Leiva
Produktion: Michael Fahres
Studios: Ata Tak, Düsseldorf; CEM, Arnhem
Tontechnik: Kurt Dahlke und Tibor Fueloep


Text zu Mercury Sound:
Der Titel Mercury Sound, der Klang oder die Meerende des Merkur,  bezieht sich auf eine gleichnamige Bucht auf der Clarence-Insel im Süden  Chiles. Die Yamana-Indianer fanden hier den wertvollen Feuerstein, der nicht  nur zur Entzündung des Feuers, sondern auch als Geldmittel diente. Der  Musiker Ramon Ernesto Leiva singt ein Lied der Yamana, der Kanuindianer, die  noch heute in geringer Zahl auf der chilenischen Seite von Feuerland leben.  Die Vögel entfliehen dem Ort des Geschehens und fliegen in andere Gefilde.

HAIN


Michael Fahres


Ode an die Selknam Indianer in Feuerland


Stimme: Lola Kjepa
Erzähler: Segundo Arteaga
Stimme und Gitarre: Nieves Cabrera
Stimme, Gitarre und Flöten: Ramon Ernesto Leiva
Keyboards: Simon Been
Percussion und weiße Kieselsteine: Michael Jüllich
Blockflöte und elektronische Instrumente: Michael Fahres
Aufnahmen der Vögel: Roberto Straneck
Midi-Assistenz: Arno Peeters
Tontechnik: Kurt Dahlke und Tibor Fueloep
Studios: Ata Tak, Düsseldorf; CEM, Arnhem; NPS, Hilversum
Co-Produktion: Simon Been (das Signal-Hain)
Postproduktion: Dick Lucas/DATARECORDS, Amsterdam
Produktion: Michael Fahres

Gesamtlänge der Komposition: 5719

Vielen Dank an Anne Chapman, die mir die Orginalmusikfragmente von Lola Kjepa  zur Verfügung gestellt hat. Dank auch an Smithsonian Folkways in Washington,  der Stadt Ushuaia, hier besonders dem Museo del Fin del Mundo und Hector Zanola,  Anne Maria Stadnik, Patricia, Hernan Vidal, Carlos Baldassarre, Abel Ricardo  Basti, Sofia Ballve, dem Völkerkundemuseum Berlin, Edda Brandes, Bruce  Chatwin und natürlich Dank an alle, die mir bei der weiteren Realisierung  des Projektes geholfen haben. Die Goetheinstitute in München und Buenos  Aires ermöglichten die Realisierung einiger Kompositionen.
Für die Übersetzungen in Holland sorgten Martine Inklaar, Bartolomé  Ramos Varga, Jan Landuydt und Maarten Coelink.

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