Mobilodrom
1979 (open)
Installation
In dem projekt ‘Mobilodrom’ habe ich versucht, musik und umwelt mit musikalischen Mitteln miteinander zu verbinden. auf einem beweglichen objekt ( elektroauto ) ist ein mikroprozessor installiert, der mittels eines interfaces hybrid einen synthesizer kontrolliert. auf dem fahrzeug sind ausserdem umweltabhängige sensoren angebracht ( z.b. luftdruckmesser ), die durch einen converter die software ( programmabläufe ) des computers beeinflussen können. diese technische aufstellung hat zur folge, dass umwelt-einflüsse auf der grundlage eines von mir konzipierten musikprogrammes (basis-komposition) ein gesamtmusikstück zusammenstellen. weiterhin sind walklänge und glockenklänge in ‘Mobilodrom’ verwendet, die auf die Umweltproblematik musikalisch verweisen.
Nachwort:
„Mobilodrom“ ging während der „10. Musik Biennale“ zwischen dem 12. und 17.5.1979 in Zagreb in Premiere. Gefahren wurde in einem Elektrozug, der uns dort zur Verfügung gestellt wurde.
Der Elekrozug bestand aus zwei Wägen. Ganz vorne, oben auf dem ersten Wagen, waren die Sensoren installiert, im Wagen selbst stand der STEIM-Computer mit Desmond Darby und Johan den Biggelaar als kontrollierende Mitfahrer und dem Chauffeur Wiggert van Hardeveld. Im zweiten Wagen waren das Mischpult, die Verstärker und am Ende die 2 Lautsprecher installiert. Hinter dem Mischpult saß ich und musste die life eingefangenen Umwelteinflüsse und das deswegen zufällig entstehende musikalische Resultat mischen. Der Besucher lief mit dem Zug mit und hörte direkt seine Stadt auf eine andere Weise.
Der Elektrozug fuhr auf dem Messegelände in Zagreb und konnte nicht anderswo eingesetzt werden.
Da kurz danach „Mobilodrom“ während des Festivals „Ensemblia“ am 26.05.1979 in Mönchengladbach und während des Hollandfestivals im Juni 1979 in mehreren Orten z.B. Utrecht, Amsterdam und Rotterdam aufgeführt werden sollte, musste somit ein anderes Elektroauto gefunden werden. Dies erhielten wir von der GES (der Gesellschaft für elektrischen Straßenverkehr) in Essen. Das Auto, auf dem Chassis eines Volkswagentransporters gebaut, war 1979 ein Entwicklungsprojekt, das sich mit Abgas- und Schadstoffproblemen und dem Bau von Batterien auseinandersetzte.
Hier wurden die Sensoren auf einem Gerüst, das sich auf der Ladefläche des Transporters befand, angebracht. Ansonsten waren alle anderen Geräteteile kompakt auf dem Auto installiert.
„Mobilodrom“ war ein musikalisches Umweltprojekt, das auch auf die negativen Einflüsse einer Stadt hinwies, z.b. auf einen hohen Geräuschpegel an einem bestimmten Ort der Stadt, der dann als Übersteuerung des Klangs wahrzunehmen war.
„Mobilodrom“ wies mit dem Einsatz eines Elektroautos auf eine technische Entwicklung hin, die heute Realität geworden ist.
„Mobilodrom“ war komponiert mit Umweltklängen, dem Klang der Glocke und des Wals, Symbol für das zerstörerische Umgehen des Menschen mit seinem Milieu.
Deswegen wurden in Möchengladbach und während des Hollandfestivals Faltblätter über die Arbeit von Green Peace verteilt, eine Organisation, die damals noch verhältnismäßig unbekannt war und die ich unterstützen wollte.
Das Verwenden von Umweltklängen (soundscapes) ist heute ein gangbares Mittel innerhalb der Musik. Ein Vorläufer dieser Entwicklung ist „Mobilodrom“ , das damals auf sich aufmerksam machte, da es mit anderen, neuen technischen und künstlerischen Mitteln gesellschaftliche Zusammenhänge aufzeigte.
Michael Fahres, 3.7.2012
Mobilodrom in Amsterdam
Sensors auf dem Auto in Amsterdam und Utrecht
Mobilodrom in Zagreb
Ausschnitt vom Fernsehn programm MBZ Urbofest, Redakteur Sedeta Midžić, HRT Croatian Radio Television, Die Premiere von Mobilodrom fand statt während der MBZ Music Biennale Zagreb, 1979, Urbofest (künstlerischer Leiter: Nikša Gligo)
Ausstellung in Istanbul organisiert durch Darko Fritz




